Peterskirche Lindau: Fresken, Fischerkirche und älteste Kirche der Stadt

Zwischen dem mächtigen Diebsturm und den Häusern am Oberen Schrannenplatz steht ein Bauwerk, das viele Besucher zunächst unterschätzen. Die Peterskirche wirkt von außen schlicht und fast unscheinbar. Hinter ihren Mauern verbergen sich jedoch mehr als 1.000 Jahre Lindauer Geschichte, mittelalterliche Wandmalereien und eine Gedenkstätte, die dem stillen Innenraum eine besondere Bedeutung gibt.

Kurzantwort: Die Peterskirche ist die älteste Kirche Lindaus und eine der ältesten Kirchen am Bodensee. Bekannt ist die ehemalige Fischerkirche vor allem für die „Lindauer Passion“, einen spätmittelalterlichen Bilderzyklus, der traditionell Hans Holbein dem Älteren zugeschrieben wird. Die Kirche steht am Oberen Schrannenplatz auf der Lindauer Insel, ist nach derzeitiger Angabe täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet und lässt sich in etwa 20 bis 30 Minuten besichtigen. Abweichende Öffnungszeiten sind möglich.

Mein Tipp: Plane die Peterskirche nicht nur als kurzen Fotostopp neben dem Diebsturm ein. Das Äußere ist bewusst schlicht. Der eigentliche Grund für den Besuch sind die verblichenen Wandmalereien, die ungewöhnliche Baugeschichte und der ruhige Innenraum.

Blick von unten auf den historischen Turm der Peterskirche in Lindau mit Uhr und kleinem Glockenaufsatz.
Turm der Peterskirche in Lindau

Die Peterskirche Lindau auf einen Blick

InformationAngaben
StandortOberer Schrannenplatz, 88131 Lindau
BedeutungÄlteste Kirche Lindaus und eine der ältesten Kirchen am Bodensee
Weitere BezeichnungFischerkirche, St. Peter
Wichtigster KunstschatzFresken der „Lindauer Passion“
Weitere WandmalereienHeiliger Christophorus und Marienkrönung
Heutige NutzungProfanierte Kirche und Gedenkstätte
ÖffnungszeitenDerzeit täglich von 10 bis 18 Uhr, Abweichungen möglich
Zeitbedarfungefähr 20 bis 30 Minuten
LageWestlicher Bereich der Lindauer Altstadt nahe dem Diebsturm
Gut kombinierbar mitDiebsturm, Maximilianstraße und Inselrundgang

Die aktuellen Besuchszeiten solltest du vor der Anreise noch einmal bei Lindau Tourismus kontrollieren. Dort werden kurzfristige Änderungen am ehesten veröffentlicht.

Detail einer historischen religiösen Wandmalerei mit mehreren Heiligenfiguren in einer gewölbten Decke.
Historische Wandmalerei in Lindau

Warum die Peterskirche mehr als eine kleine Altstadtkirche ist

Lindau besitzt mit dem Münster Unserer Lieben Frau und der Kirche St. Stephan deutlich größere und auffälliger ausgestattete Gotteshäuser. Die Peterskirche erzählt jedoch die ältere Geschichte der Insel.

Die älteste Kirche Lindaus

Die Ursprünge der Peterskirche reichen mehr als 1.000 Jahre zurück. Der heutige Bau entstand nicht in einem einzigen Schritt. Die östlichen Teile stammen wahrscheinlich aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Das westliche Drittel des Kirchenschiffs mit dem heutigen Eingang wurde später ergänzt und wird auf das Jahr 1470 datiert.

Ihr schlichter Grundriss passt zur romanischen Herkunft: ein einschiffiger Saal, eine halbrunde Apsis und ein vergleichsweise einfacher Innenraum. Gerade diese Zurückhaltung unterscheidet die Kirche von den reich ausgestatteten Barockkirchen rund um den Bodensee.

Die Bezeichnung „älteste Kirche am Bodensee“ wäre allerdings zu weit gefasst. Verlässlich ist: St. Peter ist die älteste Kirche Lindaus und gehört zu den ältesten erhaltenen Gotteshäusern der Bodenseeregion.

Warum sie Fischerkirche genannt wird

Die Kirche war dem Apostel Simon Petrus geweiht. Petrus gilt als Schutzpatron der Fischer und passte damit zu den Bewohnern, die im frühen Lindau rund um den heutigen Schrannenplatz lebten.

Dieser Bereich bildete einen der ältesten Siedlungskerne auf der Insel. Noch bevor Lindau zur wohlhabenden Handelsstadt wurde, befanden sich hier Fischerhäuser und ein kleiner Hafenbereich. Bis ungefähr 1180 diente die Peterskirche als Pfarrkirche der Stadt. Später übernahm die größere Stephanskirche diese Funktion.

Der Name Fischerkirche ist deshalb keine nachträgliche touristische Bezeichnung. Er verweist auf den Ursprung des Stadtviertels und auf die Menschen, für die das Gotteshaus einst gebaut wurde.

Der rätselhafte Petersturm

Auffällig ist der hohe, weitgehend fensterlose Turm, der nicht harmonisch neben der Kirche steht, sondern schräg in Chor und Langhaus hineinragt. Nach der baugeschichtlichen Einordnung ist er wahrscheinlich älter als wesentliche Teile des Kirchenbaus.

Seine ursprüngliche Aufgabe dürfte weniger religiös als praktisch gewesen sein. Vermutlich diente der Turm zur Beobachtung und Verteidigung des frühen Hafen- und Fischerbereichs. Die Nähe zum damaligen Ufer macht diese Nutzung nachvollziehbar.

Später verlor der Petersturm seine militärische Bedeutung. Mit dem Bau weiterer Befestigungen und des nahen Diebsturms veränderte sich die Sicherung des westlichen Inselbereichs.


Die Fresken und die Lindauer Passion

Wer die Peterskirche betritt, sollte sich zunächst an das gedämpfte Licht gewöhnen. Die Wandmalereien wirken nicht so leuchtend wie frisch restaurierte Kirchenbilder. Gerade ihre blassen Farben und teilweise nur noch fragmentarisch sichtbaren Figuren machen jedoch ihren besonderen Reiz aus.

Was ist die Lindauer Passion?

Als „Lindauer Passion“ wird ein mehrteiliger Bilderzyklus an der nördlichen Wand des Kirchenschiffs bezeichnet. Die Szenen zeigen Abschnitte aus der Passion Christi sowie Darstellungen aus dem Leben des Apostels Petrus.

Die Malereien entstanden vermutlich um 1485 oder 1490. Sie gehören damit nicht zur ursprünglichen romanischen Ausstattung, sondern wurden erst Jahrhunderte nach dem Bau der Kirche ergänzt.

Um den Zusammenhang der einzelnen Szenen besser zu erkennen, solltest du nicht direkt vor der Wand stehen bleiben. Geh einige Schritte zurück und betrachte zunächst die gesamte Bildfolge. Anschließend kannst du näher herantreten und einzelne Figuren, Gesichter und Handlungen suchen.

Hat Hans Holbein der Ältere die Fresken gemalt?

Die Lindauer Passion wird häufig Hans Holbein dem Älteren zugeschrieben. Er gehörte zu den bedeutenden deutschen Malern der Spätgotik und war der Vater von Hans Holbein dem Jüngeren.

Ganz gesichert ist diese Zuordnung jedoch nicht. Bei Restaurierungsarbeiten wurde in einem Bild eine Signatur mit den Buchstaben „HH“ entdeckt. Während einige Kunsthistoriker darin einen Hinweis auf Holbein sehen, bezweifeln andere Fachleute, dass der Zyklus tatsächlich von ihm persönlich stammt. Möglich ist auch eine Entstehung in seinem Umfeld oder seiner Werkstatt.

Deshalb ist die vorsichtige Formulierung richtig: Die Fresken werden Hans Holbein dem Älteren zugeschrieben, seine Urheberschaft ist aber nicht zweifelsfrei bewiesen.

Christophorus und die Marienkrönung

Neben der Lindauer Passion sind weitere Wandmalereien erhalten. Eine Darstellung des heiligen Christophorus entstand vermutlich bereits um 1300 und ist damit deutlich älter als der Passionszyklus.

Im Chor befindet sich außerdem die „Marienkrönung“. Dieses Werk wird dem Lindauer Künstler Mathis Miller zugeschrieben. Dadurch vereint der kleine Innenraum Malereien aus mehreren Jahrhunderten.

Achte nicht nur auf die großen Bildflächen. An verschiedenen Stellen sind kleinere Reste und Spuren früherer Ausmalungen zu erkennen. Sie zeigen, wie häufig der Raum verändert, übermalt und später wieder freigelegt wurde.


Vom Gotteshaus zur Gedenkstätte

Spätestens seit dem 17. Jahrhundert wird die Peterskirche nicht mehr regulär als Pfarrkirche genutzt. Im Jahr 1928 wurde sie zu einer Kriegergedächtnisstätte umgestaltet.

Im Eingangsbereich erinnern Tafeln an Lindauer Soldaten, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen. Später wurden weitere Gedenktafeln hinzugefügt. Sie erinnern an Heimatvertriebene sowie seit 1981 ausdrücklich an Opfer des Nationalsozialismus, darunter jüdische Bürger, Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde und Zwangsarbeiter.

Diese Nutzung verändert die Wirkung des Innenraums. Die Peterskirche ist heute weder eine gewöhnliche Museumskirche noch eine aktive Pfarrkirche. Mittelalterliche Kunst, Stadtgeschichte und Erinnerungskultur stehen unmittelbar nebeneinander.

Nimm dir deshalb auch für die Tafeln einige Minuten Zeit. Wer ausschließlich die Holbein-Fresken sucht, übersieht einen wichtigen Teil der heutigen Bedeutung.


Besuch der Peterskirche: Öffnungszeiten, Dauer und Anreise

Wann ist die Peterskirche geöffnet?

Laut aktueller Auskunft von Lindau Tourismus ist die Peterskirche täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Zeiten können sich bei Veranstaltungen oder aus organisatorischen Gründen ändern.

Eine klassische Eintrittskasse gibt es nicht. Für den regulären Besuch wird auf der offiziellen Übersicht derzeit kein Eintrittspreis ausgewiesen.

Am ruhigsten ist es häufig am Vormittag oder am späteren Nachmittag. Zwischen spätem Vormittag und frühem Nachmittag kommen eher Stadtführungen und Reisegruppen durch die Altstadt.

Wie viel Zeit sollte man einplanen?

Für einen oberflächlichen Blick reichen zehn Minuten. Damit würdest du dem Ort jedoch kaum gerecht.

Realistisch sind:

  • etwa 20 Minuten für Kirche und Fresken
  • ungefähr 30 Minuten mit Gedenktafeln und ausführlicher Betrachtung
  • rund 45 Minuten für Peterskirche, Schrannenplatz und Außenansicht des Diebsturms

Die Kirche ist klein. Der Zeitbedarf entsteht nicht durch lange Wege, sondern durch die Details an den Wänden.

Ist die Peterskirche barrierefrei?

Der Fußboden des Innenraums liegt tiefer als das umgebende Gelände. Mehrere Stufen führen hinab. Auch innerhalb des Gebäudes gibt es unterschiedliche Bodenniveaus. Für Besucher mit Rollstuhl oder starker Gehbehinderung kann der Zugang deshalb problematisch sein. Eine aktuelle Auskunft vor dem Besuch ist sinnvoll.

Anreise mit Bahn und Auto

Vom Bahnhof Lindau-Insel lässt sich die Peterskirche bequem zu Fuß erreichen. Der Weg führt durch den westlichen Teil der Altstadt und kann gut mit der Maximilianstraße verbunden werden.

Parkplätze auf der Insel sind begrenzt. Die Stadt empfiehlt insbesondere an gut besuchten Tagen die Auffangparkplätze P1, P2 und P3 auf dem Festland sowie die Weiterfahrt mit Bus oder Bahn.


Der beste kleine Rundgang rund um die Peterskirche

Die Peterskirche steht nicht isoliert. Rund um den Oberen Schrannenplatz ist ein geschlossenes historisches Ensemble erhalten. Für einen kurzen Rundgang brauchst du ungefähr 45 bis 60 Minuten.

  1. Beginne an der Peterskirche.
    Besichtige zuerst den Innenraum, solange du noch aufmerksam für die kleinen Details bist.
  2. Gehe anschließend um das Gebäude.
    Von außen erkennst du den ungewöhnlich in den Kirchenbau eingeschnittenen Petersturm und die unterschiedlichen Bauphasen besser.
  3. Besuche den benachbarten Diebsturm.
    Der Diebsturm in Lindau ist nicht regulär frei zugänglich, gehört mit seinen kleinen Ecktürmchen aber zu den auffälligsten Bauwerken der Insel.
  4. Sieh dir den Schrannenplatz und die ehemalige Glockengießerei an.
    Zusammen mit Peterskirche, Diebsturm und Zeughaus entsteht hier eines der geschlossensten mittelalterlichen Ensembles Lindaus.
  5. Gehe über die Maximilianstraße weiter.
    Von dort erreichst du den historischen Marktplatz und weitere Sehenswürdigkeiten der Insel.

Wer mehr Zeit hat, kann die Station in einen vollständigen Rundgang durch die Lindauer Altstadt einbauen. Der offizielle Inselrundgang ist etwa fünf Kilometer lang und wird mit rund zweieinhalb Stunden angegeben.


Lohnt sich die Peterskirche in Lindau?

Die Peterskirche ist keine Sehenswürdigkeit für Besucher, die ausschließlich prächtige Innenräume, große Aussichtspunkte oder spektakuläre Fotomotive suchen. Dafür gibt es auf der Insel auffälligere Ziele.

Der Besuch lohnt sich besonders, wenn du dich für mittelalterliche Kunst, frühe Stadtgeschichte oder ungewöhnliche historische Orte interessierst. Auf engem Raum treffen hier der Ursprung der Lindauer Fischersiedlung, ein vermutlich ehemaliger Wehrturm, jahrhundertealte Fresken und die Erinnerung an Opfer von Krieg und Diktatur aufeinander.

Gerade weil der Raum klein und schlicht geblieben ist, wirkt er persönlicher als viele größere Kirchen. Die Peterskirche ist kein Ort, den man lange erlaufen muss. Man muss nur genau hinsehen.


FRQ – Häufige Fragen zur Peterskirche Lindau

Wie alt ist die Peterskirche in Lindau?

Die Ursprünge der Peterskirche reichen mehr als 1.000 Jahre zurück. Wesentliche östliche Bauteile stammen wahrscheinlich aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Der westliche Teil des Kirchenschiffs wurde später ergänzt.

Ist die Peterskirche die älteste Kirche am Bodensee?

Sie ist die älteste Kirche Lindaus und gehört zu den ältesten Kirchen am Bodensee. Als eindeutig älteste Kirche der gesamten Bodenseeregion sollte sie nicht bezeichnet werden.

Warum heißt die Peterskirche auch Fischerkirche?

Die Kirche war dem Apostel Petrus geweiht, der als Schutzpatron der Fischer gilt. Rund um den heutigen Schrannenplatz befand sich eine frühe Lindauer Fischersiedlung.

Was ist die Lindauer Passion?

Die Lindauer Passion ist ein spätmittelalterlicher Freskenzyklus in der Peterskirche. Die Bilder zeigen Szenen aus der Passion Christi und aus dem Leben des Apostels Petrus.

Stammen die Fresken von Hans Holbein dem Älteren?

Die Malereien werden traditionell Hans Holbein dem Älteren zugeschrieben. Die Urheberschaft ist in der Kunstgeschichte jedoch umstritten und nicht zweifelsfrei bewiesen.

Wann ist die Peterskirche Lindau geöffnet?

Nach aktueller Angabe ist die Kirche täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Kurzfristige Abweichungen sind möglich.

Kostet die Peterskirche Eintritt?

Für den regulären Besuch wird derzeit kein Eintrittspreis ausgewiesen. Eine klassische Kasse gibt es nicht.

Wie lange dauert die Besichtigung?

Für die Kirche solltest du ungefähr 20 bis 30 Minuten einplanen. Zusammen mit Diebsturm und Schrannenplatz sind etwa 45 bis 60 Minuten sinnvoll.

Wo befindet sich die Peterskirche?

Die Kirche steht am Oberen Schrannenplatz im westlichen Bereich der Lindauer Insel. Sie liegt unmittelbar neben dem Diebsturm.

Wird die Peterskirche noch für Gottesdienste genutzt?

Nein. Die Kirche ist seit Jahrhunderten profaniert und dient heute unter anderem als Gedenkstätte.